Die Gründung

AnnonceEs begann mit einer Annonce im Berliner Lokalanzeiger am 29.12.1927:
Auftraggeber der Annonce war Harry Frommermann, hochmusikalischer Schauspielanfänger an der Volksbühne. Vom Welterfolg der durch den Jazz beeinflussten amerikanischen Gesangstruppe "The Revellers" inspiriert, hatte er 15 Partituren für ein noch nicht existierendes Gesangsensemble niedergeschrieben.

Über siebzig Bewerber kamen in seine kümmerliche Mansardenwohnung in der Stubenrauchstraße 47 in Berlin zum Vorsingen (unter ihnen Johannes Heesters). Die Schlange reichte von der im 4.Stock liegenden Wohnung bis auf die Straße. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Theodor Steiner (Klavier und Bariton) testete Frommermann die Bewerber. Nur einer war geeignet: Robert Biberti, Bassist im Chor der Charell-Revue. Er war es auch, der Ari Leschnikoff (1. Tenor) und Walter Nußbaum (2.Tenor)  zur Gruppe brachte. Am 1. April 1928 gründeten Frommermann, Steiner, Biberti, Leschnikoff und Nußbaum die "Melody Makers". Kurz darauf wurde Theodor Steiner zunächst als Pianist durch den erst 21jährigen Erwin Bootz, einem in allen Genres der Musik versierten Pianisten, der frisch von der Musikakademie kam, und wenig später auch als Bariton durch den polnischen Chorkollegen Bibertis und Leschnikoffs Roman Cycowski ersetzt.

Die erste Zeit war äußerst schwierig. "Es galt, bei den Sängern das Gefühl füreinander zu wecken. Es besteht aus musikalischer Anpassung, aus dem Bewusstsein, was der Nachbar singt, wer gerade die führende Melodie hat und wer sich daher in der Lautstärke zurückzuhalten hat. Das war zu Beginn das schwerste Problem." (Harry Frommermann) Bei ihrem ersten Vorsingen in der Berliner "Scala" fielen sie gnadenlos durch. Doch sie ließen sich dadurch nicht entmutigen und probten weiter. Es wurde strikt auf Disziplin geachtet. Unpünktlichkeit wurde mit Geldstrafen gemaßregelt. Es folgten Auftritte in Nachtclubs, um die Lieder auch vor Publikum zu erproben, und schließlich das erste gemeinsame Engagement.

Am 1. September 1928 gaben die sechs im Großen Schauspielhaus in Berlin ihr Debüt. Als böhmische und venezianische Musikanten gekleidet, traten sie in den Zwischenakten der Charell-Revue "Casanova" auf. Eric Charell war es auch, der die Umbenennung in "Comedian Harmonists" anregte.
Die "kulturhungrige" Berliner Presse überschlug sich förmlich in Lob über die neuen, bisher gänzlich unbekannten Sänger. Sechs Monate lang traten sie jeden Tag in der Revue auf. Hinzu kam, dass sie eine "Pendelerlaubnis" hatten und so auch außerhalb auftreten durften, was sie ausgiebig nutzten. Es dauerte auch nicht lange bis zu ihrem ersten Plattenvertrag bei der Firma "Odeon". Insgesamt 23 Titel nahmen sie während der sechs Monate auf.

Im März 1929, nach ihrem Gastspiel in der Charell-Revue, wurde Walter Nußbaum, nach Streitigkeiten aus heute unbekannten Gründen, durch Erich Abraham Collin (2.Tenor), einen Freund von Erwin Bootz, ersetzt. Mit ihm gelang Anfang 1930 mit ihren ersten abendfüllenden Konzerten der endgültige Durchbruch.

 

Die Höhepunkte

Kenner und Laien waren von der musikalischen Originalität und Präzision, der technischen Eleganz und dem komödiantischen Witz gleichermaßen begeistert. Damit begann ein steiler Aufstieg, der die Comedian Harmonists in kürzester Zeit nicht nur in Deutschland, sondern auch international zu einem Begriff machte.

Comedian HarmonistsDie Zeit der größten Erfolge waren die Jahre von 1930 bis 1933. Die großen Kabaretts, exklusive Nachtlokale und Varietés rissen sich um sie. Der Rundfunk und ausgedehnte Konzertreisen machten das Ensemble in ganz Deutschland bekannt. Ihre Schallplatten (insgesamt 76, der Großteil bei der Firma "Electrola" aufgenommen) wurden große Verkaufserfolge, sie gaben abendfüllende Konzerte in der Berliner Philharmonie und in anderen großen Konzerthäusern und wirkten in mehr als zehn Filmen mit (darunter "Die drei von der Tankstelle" mit Heinz Rühmann, "Bomben auf Monte Carlo" und "Kleiner Mann - was nun?"

In ihrem Repertoire fanden sich gekonnte Bearbeitungen virtuoser Instrumentalmusik ebenso wie Tanzmusikerfolge, Evergreens aber auch Volkslieder. Viele Songs aus ihrem Repertoire wurden dem damaligen Schlagerangebot entnommen. Erwin Bootz und Harry Frommermann sorgten mit ihren Bearbeitungen für Witz und Pfiff. Die Arrangements kamen so gut an, dass viele Stücke nur noch in der Ausführung der Comedian Harmonists erhältlich waren.
In ihren Texten und Melodien spiegelte sich die Welt der einfachen Menschen wider. Wenn sie sich der musikalischen Satire bedienten, dann in einer allgemeinverständlichen und Geschmack bildenden Art und Weise.

Im Mai 1931 verließ Erwin Bootz die Comedian Harmonists, um eine Solo-Karriere zu starten, kam aber bald wieder zurück. In der Zwischenzeit spielte Walter Joseph am Klavier.

1931 begann mit einem Auftritt im Amsterdamer Kabarett "La Gâité" ihre internationale Karriere. Es folgten Tourneen nach Dänemark, Schweden, Norwegen, Belgien, Frankreich, Ungarn, Österreich, Italien, in die Schweiz und die Tschechoslowokei. Viele der Musikstücke wurden sogar in englischer und französischer Sprache aufgenommen. Die Comedian Harmonists waren jeden Tag in einer anderen Stadt. So ist es auch verständlich, dass sie die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse der Zeit kaum mitverfolgen konnten und auch wenig von der Armut der Bevölkerung mitbekamen. Im Gegensatz zum Großteil der Bevölkerung lag das Einkommen jedes Sängers zwischen 40.000 und 60.000 Reichsmark. Das entspricht heute ungefähr 500.000 Euro.

 

Das Ende

Weder die Comedian Harmonists noch die meisten anderen Menschen ahnten, wohin die Machtübernahme der Nationalsozialisten führen sollte. Es war die Zeit ihrer größten Erfolge. 1933 gaben sie mehr Konzerte (150) als jemals zuvor. Es dauerte jedoch nicht lange, bis die ersten Probleme für das Ensemble auftauchten. Bereits Ende 1933 wurde dem erfolgsverwöhnten Ensemble das erste Konzert (in Gera) abgesagt, da sich drei Juden unter ihnen befanden. Ein Jahr früher wäre das noch undenkbar gewesen; sogar Hitler wurde ein Saal versagt, da die Comedian Harmonists ihn bereits für ein Konzert gebucht hatten.

Am 5. März 1934 veröffentlichte Reichsminister Joseph Goebbels eine Verordnung, die besagte, dass Künstler nur noch auftreten dürfen, wenn sie Mitglieder der Reichsmusikkammer seien; diese Mitgliedschaft beschränkte sich allerdings nur auf "Arier". Die Auftrittsgenehmigung der Comedian Harmonists wurde angesichts der höchst erfolgreichen, laufenden Tournee bis zum 1.Mai verlängert. Frommermann, Collin und Cycowski waren somit die letzten im Deutschen Reich auftretenden jüdischen Künstler.
Am 13. März 1934 folgte ein legendäres letztes Konzert in München, abgehalten mit Sondergenehmigung und einer von der Konzertdirektion eigens erwirkten Aufhebung eines ergangenen Konzertverbots. Die Comedian Harmonists sangen vor standing ovations des Publikums ihre Abschlusslieder "Auf Wiederseh´n, my Dear" und "Lebewohl, gute Reise".
Nach dem endgültigen Ablaufen der Auftrittserlaubnis tourten die Comedian Harmonists durch Frankreich, Holland, Skandinavien und Italien.

Im April 1934 kam es zu Streitigkeiten innerhalb des Ensembles, die von einem Anwalt geschlichtet werden mussten. Grund war, dass die "arischen" Mitglieder aufgrund des Verdienstentganges wegen abgesagter Konzerte einen größeren Anteil an den Einnahmen haben wollten. Der Streit konnte geschlichtet werden.

Im Sommer 1934 reisten die Comedian Harmonists in die Vereinigten Staaten, gaben über 30 Radiokonzerte in der New Yorker City-Hall  und traten auf dem Flugzeugträger "Saratoga" auf, von dem aus ihr Konzert auf die Schiffe der gesamten Atlantik- und Pazifikflotte der Navy übertragen wurde. Die Chance für eine amerikanische Karriere war da, aber vor allem Biberti wollte zurück nach Deutschland. Nachdem lange von einer Übersiedlung nach Amerika die Rede war, kehrte das Vokalensemble im August 1934 doch wieder nach Berlin zurück. Das letzte Konzert gaben die Comedian Harmonists im Februar 1935 in Fredrikstadt in Südnorwegen.

Am 22. Februar 1935 erhielt das Ensemble einen Brief von der Reichsmusikkammer, in dem Robert Biberti, Erwin Bootz und Ari Leschnikoff mitgeteilt wurde, dass sie als Mitglieder der Reichsmusikkammer aufgenommen worden waren. Zugleich wurde ihnen jedoch untersagt, fortan mit "Nichtariern" zu musizieren

.Brief der Reichsmusikkammer

Dieser Brief bedeutete das Ende der Comedian Harmonists, denn ein gemeinsames Musizieren war unter dieser nationalsozialistischen Regierung nicht mehr möglich. Nach einer letzten (illegalen) Plattenaufnahme ("Ungarischer Tanz Nr.5" und "Barcarole") am 1. März 1935 flohen Frommermann, Collin und Cycowski in einer von Biberti geplanten Aktion am 10. März 1935 nach Wien.

Sowohl Biberti, Leschnikoff und Bootz (Meistersextett), als auch Frommermann, Collin und Cycowski (Comedy Harmonists) konnten mit ihren Nachfolgeensembles nicht mehr an die Erfolge der Comedian Harmonists anschließen.
Trotz aller widrigen Umstände, die zum Niedergang der Comedian Harmonists führten, haben sich drei Elemente der berühmten Gruppe in den Köpfen der Menschen bewahrt: Ihre Lieder, der Frack und die Begeisterung für den gemeinsamen Vokalgesang.

 

Quellen:

  • CZADA, P., GROSSE, G.: Comedian Harmonists. Ein Vokalensemble erobert die Welt. Berlin: Edition Hentrich 1993. 
  • FECHNER, E.: Die Comedian Harmonists. Sechs Lebensläufe. Weinheim und Berlin: Quadriga 1988.