
Die Gründung
Über siebzig Bewerber kamen in seine kümmerliche Mansardenwohnung in der Stubenrauchstraße 47 in Berlin zum Vorsingen (unter ihnen Johannes Heesters). Die Schlange reichte von der im 4.Stock liegenden Wohnung bis auf die Straße. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Theodor Steiner (Klavier und Bariton) testete Frommermann die Bewerber. Nur einer war geeignet: Robert Biberti, Bassist im Chor der Charell-Revue. Er war es auch, der Ari Leschnikoff (1. Tenor) und Walter Nußbaum (2.Tenor) zur Gruppe brachte. Am 1. April 1928 gründeten Frommermann, Steiner, Biberti, Leschnikoff und Nußbaum die "Melody Makers". Kurz darauf wurde Theodor Steiner zunächst als Pianist durch den erst 21jährigen Erwin Bootz, einem in allen Genres der Musik versierten Pianisten, der frisch von der Musikakademie kam, und wenig später auch als Bariton durch den polnischen Chorkollegen Bibertis und Leschnikoffs Roman Cycowski ersetzt. Die erste Zeit war äußerst schwierig. "Es galt, bei den Sängern das Gefühl füreinander zu wecken. Es besteht aus musikalischer Anpassung, aus dem Bewusstsein, was der Nachbar singt, wer gerade die führende Melodie hat und wer sich daher in der Lautstärke zurückzuhalten hat. Das war zu Beginn das schwerste Problem." (Harry Frommermann) Bei ihrem ersten Vorsingen in der Berliner "Scala" fielen sie gnadenlos durch. Doch sie ließen sich dadurch nicht entmutigen und probten weiter. Es wurde strikt auf Disziplin geachtet. Unpünktlichkeit wurde mit Geldstrafen gemaßregelt. Es folgten Auftritte in Nachtclubs, um die Lieder auch vor Publikum zu erproben, und schließlich das erste gemeinsame Engagement. Am 1. September 1928 gaben die sechs im Großen Schauspielhaus in Berlin
ihr Debüt. Als böhmische und venezianische Musikanten gekleidet,
traten sie in den Zwischenakten der Charell-Revue "Casanova"
auf. Eric Charell war es auch, der
die Umbenennung in "Comedian Harmonists" anregte. Im März 1929, nach ihrem Gastspiel in der Charell-Revue, wurde Walter Nußbaum, nach Streitigkeiten aus heute unbekannten Gründen, durch Erich Abraham Collin (2.Tenor), einen Freund von Erwin Bootz, ersetzt. Mit ihm gelang Anfang 1930 mit ihren ersten abendfüllenden Konzerten der endgültige Durchbruch.
Die HöhepunkteKenner und Laien waren von der musikalischen Originalität und Präzision, der technischen Eleganz und dem komödiantischen Witz gleichermaßen begeistert. Damit begann ein steiler Aufstieg, der die Comedian Harmonists in kürzester Zeit nicht nur in Deutschland, sondern auch international zu einem Begriff machte.
In ihrem Repertoire fanden sich gekonnte Bearbeitungen virtuoser
Instrumentalmusik ebenso wie Tanzmusikerfolge, Evergreens aber auch Volkslieder.
Viele Songs aus ihrem Repertoire wurden dem damaligen Schlagerangebot entnommen.
Erwin Bootz und Harry Frommermann sorgten mit ihren Bearbeitungen für Witz und Pfiff. Die Arrangements kamen so gut an, dass viele Stücke
nur noch in der Ausführung der Comedian Harmonists erhältlich waren. Im Mai 1931 verließ Erwin Bootz die Comedian Harmonists, um eine Solo-Karriere zu starten, kam aber bald wieder zurück. In der Zwischenzeit spielte Walter Joseph am Klavier. 1931 begann mit einem Auftritt im Amsterdamer Kabarett "La Gâité" ihre internationale Karriere. Es folgten Tourneen nach Dänemark, Schweden, Norwegen, Belgien, Frankreich, Ungarn, Österreich, Italien, in die Schweiz und die Tschechoslowokei. Viele der Musikstücke wurden sogar in englischer und französischer Sprache aufgenommen. Die Comedian Harmonists waren jeden Tag in einer anderen Stadt. So ist es auch verständlich, dass sie die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse der Zeit kaum mitverfolgen konnten und auch wenig von der Armut der Bevölkerung mitbekamen. Im Gegensatz zum Großteil der Bevölkerung lag das Einkommen jedes Sängers zwischen 40.000 und 60.000 Reichsmark. Das entspricht heute ungefähr 500.000 Euro.
Das EndeWeder die Comedian Harmonists noch die meisten anderen Menschen ahnten, wohin die Machtübernahme der Nationalsozialisten führen sollte. Es war die Zeit ihrer größten Erfolge. 1933 gaben sie mehr Konzerte (150) als jemals zuvor. Es dauerte jedoch nicht lange, bis die ersten Probleme für das Ensemble auftauchten. Bereits Ende 1933 wurde dem erfolgsverwöhnten Ensemble das erste Konzert (in Gera) abgesagt, da sich drei Juden unter ihnen befanden. Ein Jahr früher wäre das noch undenkbar gewesen; sogar Hitler wurde ein Saal versagt, da die Comedian Harmonists ihn bereits für ein Konzert gebucht hatten. Am 5. März 1934 veröffentlichte Reichsminister Joseph Goebbels eine
Verordnung, die besagte, dass Künstler nur noch auftreten dürfen, wenn sie
Mitglieder der Reichsmusikkammer seien; diese Mitgliedschaft beschränkte sich
allerdings nur auf "Arier". Die Auftrittsgenehmigung der Comedian
Harmonists wurde angesichts der höchst erfolgreichen, laufenden Tournee bis zum
1.Mai verlängert. Frommermann,
Collin und Cycowski waren somit die letzten im Deutschen Reich auftretenden jüdischen
Künstler. Im April 1934 kam es zu Streitigkeiten innerhalb des Ensembles, die von einem Anwalt geschlichtet werden mussten. Grund war, dass die "arischen" Mitglieder aufgrund des Verdienstentganges wegen abgesagter Konzerte einen größeren Anteil an den Einnahmen haben wollten. Der Streit konnte geschlichtet werden. Im Sommer 1934 reisten die Comedian Harmonists in die Vereinigten Staaten, gaben über 30 Radiokonzerte in der New Yorker City-Hall und traten auf dem Flugzeugträger "Saratoga" auf, von dem aus ihr Konzert auf die Schiffe der gesamten Atlantik- und Pazifikflotte der Navy übertragen wurde. Die Chance für eine amerikanische Karriere war da, aber vor allem Biberti wollte zurück nach Deutschland. Nachdem lange von einer Übersiedlung nach Amerika die Rede war, kehrte das Vokalensemble im August 1934 doch wieder nach Berlin zurück. Das letzte Konzert gaben die Comedian Harmonists im Februar 1935 in Fredrikstadt in Südnorwegen. Am 22. Februar 1935 erhielt das Ensemble einen Brief von der Reichsmusikkammer, in dem Robert Biberti, Erwin Bootz und Ari Leschnikoff mitgeteilt wurde, dass sie als Mitglieder der Reichsmusikkammer aufgenommen worden waren. Zugleich wurde ihnen jedoch untersagt, fortan mit "Nichtariern" zu musizieren . Sowohl Biberti, Leschnikoff und Bootz (Meistersextett), als auch Frommermann,
Collin und Cycowski (Comedy Harmonists) konnten mit ihren Nachfolgeensembles
nicht mehr an die Erfolge der Comedian Harmonists anschließen.
Quellen:
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