Die drei Mitglieder der Comedian Harmonists, die in Deutschland blieben, gründeten eine neue Gruppe mit dem Namen "Meistersextett".

Es war nicht leicht adäquaten Ersatz für Collin, Cycowski und Formmermann zu finden. Schließlich gelang es aber doch mit Richard Sengeleitner (2.Tenor), Walter Blanke (Bariton) und Janos Kerekes (Tenor buffo) wieder ein Ensemble auf die Beine zu stellen. Die neuen Sänger wurden jedoch nicht gleichberechtigte Mitglieder des Ensembles, sondern Angestellte.

In den ersten fünf Monaten wurde nur geprobt. Ein großes Problem war das stark reduzierte Repertoire, da ein Großteil der alten Hits von jüdischen Komponisten und Textern stammte, die aufzuführen daher nicht mehr gestattet war.
Auch für die neue Zusammensetzung wurde der Name "Comedian Harmonists" verboten. Die Reichskulturkammer machte jedoch das Zugeständnis, dass der alte Name als Zusatzbezeichnung auf Werbeplakaten geführt werden durfte, wovon die Gruppe - oft in krassem Größenunterschied zugunsten der "Zusatzbezeichnung" - regelmäßig Gebrauch machte.

Die Zusammensetzung des 1935 gegründeten Meistersextetts änderte sich ständig.
Richard Sengeleitner konnte sich nicht wie erwartet in das Ensemble einfügen und wurde im Herbst 1936 zunächst für Schallplatten-aufnahmen durch Zeno Coste von den "Kardosch-Sängern" und später durch Alfred Grunert ersetzt.

Davor war schon Rudi Schuricke ("Kardosch-Sänger", "Schuricke-Terzett") im Gespräch, wurde dann aufgrund seiner zahlreichen Schallplatten-Verpflichtungen nicht genommen.
Bereits Ende Juni 1936 wurde Walter Blanke gekündigt. Für ihn kam Herbert Imlau, der nach einer kurzen Gastrolle bei den "Humoresk Melodios" im Mai 1934 die "Spree-Revellers" gegründet hatte.
Diese Besetztung hielt sich am längsten:

       - Ari Leschnikoff (1.Tenor)
       - Alfred Grunert (2.Tenor)
       - Fred Kassen (Tenor buffo)
       - Herbert Imlau (Bariton)
       - Robert Biberti (Bass)
       - Erwin Bootz (Klavier)

Neben vielen Schallplattenaufnahmen und Auftritten in Deutschland und in anderen europäischen Ländern trat das Meistersextett 1937 auch im Spielfilm "Fremdenheim Filoda" auf. Doch das Verhältnis der drei alten Mitglieder zu den drei neuen, die noch dazu nur Angestellte waren, wurde immer schlechter. Vor allem Fred Kassen brachte Unruhe ins Ensemble.
Als mit Erwin Bootz Ende Juni 1938 nicht nur der Pianist, sondern auch der Arrangeur und musikalische Leiter des Ensembles das Meistersextett aufgrund der Spannungen innerhalb der Gruppe verließ, war das der Anfang vom Ende.
Zunächst holte Robert Biberti den Barpianisten Rudolf Zeller ins Ensemble. Bereits zwei Monate später trat das Meistersextett wieder auf. Doch die Streitereien wurden immer heftiger und gipfelten in gegenseitigen Verleumdungen und Anzeigen.

Als während der Sommerpause 1939 in Deutschland der Krieg ausbrach, ging Ari Leschnikoff zurück nach Bulgarien. Biberti löste die Verträge auf, versuchte dann aber noch einmal ein neues Ensemble zusammenzustellen.

Von der bisherigen Gruppe blieb nur Alfred Grunert über. Neu dazu kamen die zwei Holländer Willy Vosmendes (1. Tenor, eigentlich Willem Hendrik Gerard Voss) und Bernhard Taverne (Bariton, eigentlich Bernard Diamant), die beide in Holland und Deutschland Gesang studiert hatten, der lyrische Tenor Erwin Sachse-Steuernagel und der Pianist Willi Herrmann. Nach mehrmonatigen Proben trat das Ensemble im Dezember 1940 wieder auf. Mühsam hielten sie sich bis zum Frühjahr 1941 über Wasser.

Im November 1941 kam das endgültige Verbot des Meistersextetts durch die Reichskulturkammer, da “die Darbietungen des Ensembles nicht geeignet sind, den Wehrgedanken im deutschen Volk zu stützen”.
In einer Stellungnahme des Oberkommandos der Wehrmacht zu den Neuplanungen für die Truppenbetreuung hieß es: "Besonders ist die Truppe von allem auszuschließen, was im Musikleben den Jazz propagiert. Hierzu gehören auch wimmernde Vokalquartette, die sich in nichts von der verweichlichten Singweise der früheren Comedian Harmonists unterscheiden...!"

Quellen:

  • CZADA, P., GROSSE, G.: Comedian Harmonists. Ein Vokalensemble erobert die Welt. Berlin: Edition Hentrich 1993. 
  • FECHNER, E.: Die Comedian Harmonists. Sechs Lebensläufe. Weinheim und Berlin: Quadriga 1988.

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