|
Die drei Mitglieder der Comedian Harmonists, die in
Deutschland blieben, gründeten eine neue Gruppe mit dem Namen Meistersextett.
 |
Es war nicht leicht adäquaten Ersatz für Collin, Cycowski und
Formmermann zu finden. Schließlich gelang es aber doch mit Rudolf
Sengeleitner, Alfred Grunert und Fred Kassen wieder ein
Ensemble auf die Beine zu stellen.
Die Zusammensetzung des 1935 gegründeten
Meistersextetts änderte sich ständig. Am längsten hielt sich folgende
Besetzung:
- Ari Leschnikoff (1.Tenor)
- Alfred Grunert (2.Tenor)
- Fred Kassen (Tenor buffo)
- Herbert Imlau (Bariton)
- Robert Biberti (Bass)
- Erwin Bootz (Klavier)
|
In den ersten fünf Monaten wurde nur geprobt.
Ein großes Problem war das stark reduzierte
Repertoire, da ein Großteil der alten Hits von jüdischen Komponisten und
Textern stammte, die aufzuführen daher nicht mehr gestattet war.
Auch für die neue
Zusammensetzung wurde der Name "Comedian Harmonists" verboten. Die
Reichskulturkammer machte jedoch das Zugeständnis, dass der alte Name als
Zusatzbezeichnung auf Werbeplakaten geführt werden durfte, wovon die Gruppe - oft in krassem Größenunterschied zugunsten der "Zusatzbezeichnung" - regelmäßig
Gebrauch machte.
Neben vielen Schallplattenaufnahmen und Auftritten in Deutschland und in anderen
europäischen Ländern trat das
Meistersextett 1937 auch im Spielfilm
"Fremdenheim Filoda" auf. Doch das Verhältnis der drei alten
Mitglieder zu den drei neuen, die noch dazu nur Angestellte waren, wurde immer
schlechter. Vor allem Fred Kassen brachte Unruhe ins Ensemble.
Als mit Erwin Bootz Ende Juni 1938 nicht nur der Pianist,
sondern auch der Arrangeur und musikalische Leiter des Ensembles das
Meistersextett aufgrund der Spannungen innerhalb der Gruppe verließ, war das
der Anfang vom Ende.
Zunächst holte Robert Biberti den Barpianisten Rudolf Zeller ins
Ensemble. Bereits zwei Monate später trat das Meistersextett wieder auf. Doch
die Streitereien wurden immer heftiger und gipfelten in gegenseitigen
Verleumdungen und Anzeigen.
Als während der Sommerpause 1939 in Deutschland der Krieg ausbrach, ging Ari
Leschnikoff zurück nach Bulgarien. Biberti löste die Verträge mit Leschnikoff
und Kassen auf und besetzte sie mit zwei Niederländern nach. Mühsam hielten sie
sich bis zum Frühjahr 1941 über Wasser. Dann kam das endgültige Verbot des Meistersextetts durch die
Reichskulturkammer, da “die Darbietungen
des Ensembles nicht geeignet waren, den Wehrgedanken des deutschen Volkes zu stützen”.
In einer Stellungnahme des Oberkommandos der Wehrmacht zu den Neuplanungen für
die Truppenbetreuung hieß es: "Besonders ist die Truppe von allem
auszuschließen, was im Musikleben den Jazz propagiert. Hierzu gehören auch
wimmernde Vokalquartette, die sich in nichts von der verweichlichten Singweise
der früheren Comedian Harmonists unterscheiden...!"
zurück |